Big Data war gestern – und SEO morgen tot?

Wer glaubt, in der Internetevolution hätte das Internet der Dinge (Internet of Things = IoT) Big Data, wie der Einschlag eines Meteoriten die Dinosaurier, ausgelöscht, ist wohl selber einer im digitalen Business. Big Data, also die Aufnahme und Analyse von großen, komplexen und sich schnell ändernden Datenmengen, wächst und gedeiht prächtig und nimmt wie ein Schneeballsystem rasant an Fahrt auf.

Big Data analytsis Titelbild

Die Menge der gesammelten Daten der Menschheit, von der Steinzeit bis 2015, entsteht mittlerweile heute schon in der gleichen Zeit, in der man eine Tasse Kaffee genießt. Einmal Steinzeit und zurück in 10 Minuten. Wer hier schon einen kausalen Zusammenhang sieht, sollte diesen Artikel dringend bis zum Ende lesen, denn sinnloses Daten-Aufstocken und noch sinnfreieres Analysen-Durchführen ist Big Data eben gerade nicht.

Das IoT (Kurzform für Internet of Things) ist nur ein weiteres Extrakt neben denen über Social Media Kanäle wie Facebook, YouTube oder Instagram erzeugten Daten, um Big Data austreiben zu lassen, wie ein Rosenstock in luftiger Erde – nicht aber der Ersatzstoff. Erst mit der Symbiose dieser beiden Entwicklungen, Big Data und IoT – und hier kommt die wirkliche Neuerung – dem Erschaffen und Verbessern von Auswertungssystemen (Data Analytics) kommt die eigentliche nächste Evolutionsstufe.

Basierend auf z. B. den Open-Source-Frameworks Apache Hadoop und Apache Spark, können nun Analytics Systeme wie SAP HANA Cloud Platform, Google Cloud Platform, Microsoft Azure, IBM Analytics, Oracle´s SQL, Adobe Analytics und Amazon Web Services (AWS) installiert werden, die diese Big Data erzeugten und gesammelten Datenströme effizient analysieren und abschöpfen können.

Software ist die neue Hardware bei Big Data

Genauso wichtig, wie das Wissen um die neuen Hadoop-basierten Software Lösungen (Data Lösungen), ist auch der Erkenntnisgewinn, dass diese Software zunehmend als Hardware verstanden werden muss. Bedingt durch die Entwicklungen des Deep Learning und der zunehmenden autonomen Prozessregulierung in der Industrie 4.0 durch CPS (Cyber-physical Systems) muss hier ein Paradigmenwechsel der Wahrnehmung stattfinden.

Leise und langsam schleicht sich dieser, in der Perzeption von Big Data, nun auch in Deutschland und Europa ein. Die Bereiche des E-Health, des Kunden-Service und des Kunden-Managements müssen zwingend weiter ausgebaut werden. Interessanterweise kommen die ersten großen Initialzündungen vor allem aus dem techniknahen Business und nicht, wie sich vielleicht vermuten lässt, aus dem Service-Sektor.

Best Practices dafür sind unter anderem das intelligente Stromnetz oder die GITEWS (German Indonesian Tsunami Early Warning System), die jetzt schon auf den oben genannten smarten Auswertungen von Big Data beruhen. Im letzteren Unternehmen sind die Bojen als Sammler von Daten über Meeresbewegungen und Wetter ein unverzichtbarer Teil des Projekts, aber wichtiger noch ist die Software, die es ermöglicht, die Sammler untereinander kommunizieren zu lassen und die riesigen Big Data-Ströme in Echtzeit zu analysieren.

Ein weiteres Beispiel, um sich dieses gegenseitige Durchdringen unterhaltsam zu Gemüte zu führen, bieten der auf Tatsachen beruhende Film „Moneyball“, der zeigt, wie die genaue Analyse der erhobenen Big Data Daten auf Grundlage der Sabermetrics sowohl zu einem Wechsel der dominierenden Baseballteams führte (die Bosten Red Sox gewannen das erste Mal seit 86 Jahren die World Series) als auch die Auswertung selber zum festen Bestandteil des Sportes, unabhängig vom Spielgeschehen, gemacht hat. Einer der großen Befürworter dieses Vorhersagesystems ist der nicht ganz unbekannte Nate Silver, dessen Vorhersagemodele bei amerikanischen Präsidentschaftswahlen in der Vergangenheit immer wieder für Aufsehen gesorgt haben.

Big Data concept with smartphone Data Analytics

SEO wird sich wandeln müssen, um nicht von Big Data zu Grabe getragen zu werden

Wenn der Big Data Hype aus Amerika in 2016 weiter anhält, und davon ist definitiv auszugehen, dann wird sich auch mittelfristig hier das SEO verändern müssen. Schon 2013 hat Eric Siegel in einem Video zu den amerikanischen Präsidentschaftswahlen erklärt, dass Big Data nicht der Blick in die Glaskugel einer festen Zukunft ist, sondern eine Möglichkeit bietet, sich die Wege dorthin anzuschauen.

Die neue Elite des SEOs wird sich dann aus den Data Scientisten zusammensetzen, die sowohl ein hohes technisches Verständnis für das Data Mining im großen Bergwerk des Big Data als auch eine Affinität zum klassischen SEM haben. So werden Predictive Analytics und Sentiment Analytics in Zukunft immer mehr über autonome Prozesse gesteuert werden, die ein Nachjustieren durch menschliche SEOler nicht mehr benötigt, nur noch zur Einstellung und Auswahl der Filter um eine perfekte Business Intelligence durch Big Data zu erreichen.

Fazit für den Umgang Big Data

Nicht mehr SEO optimiert, sondern User optimiert wird die Zukunft sein. Big Data ist schon lange wieder zurück aus der Zukunft und wer diesen Trend verpasst, darf sich Ende 2016 nicht wundern, wenn die eigenen Kunden einen nur noch als Missing Link betrachten. Wer hingegen jetzt in Technik und Verständnis für Big Data investiert, wird wohl reichlich Ernte in Form von Kundenanfragen einfahren können.

2016 werden sich definitiv die Weichen im Internet zu mehr sinnvollem Content Management stellen, da Big Data und die durch die Industrie 4.0 angesteuerten Smart Lösungen durch die genannten Analytics Tools immer mehr Möglichkeiten gebiert, mit einzigartigem Content als Service für deutsche Unternehmen punkten zu können. Gerade wenn sich durch Big Data das Marketing zu einer größeren Technik-Affinität transformiert. Unternehmen sind gut beraten, wenn sie sich den bewussten Umgang mit Big Data auf all Ihren Social Media Kanälen, ob Facebook oder LinkedIn, so groß wie möglich auf Ihre Fahnen schreiben.

Big Data bietet durch den Einsatz von Smart Lösungen unter anderem einen hohen Grad an Zielgenauigkeit im Marketingbereich und wird sich bei der kontinuierlichen Anpassung der Hadoop-basierten Softwarelösungen auch aus dem Vorwurf der Filterblase befreien können. Und dann heißt es für Big Data frei nach Eli Pariser: If You Like Big Data, You´ll Like Big Data!