Black Hat Social Media: Finger weg von der käuflichen Liebe

Die Versuchung ist groß: Ein Beitrag ist endlich fertig und man hat ihn frisch ins Netz gestellt. Nun sollen möglichst Gott und die Welt darüber stolpern und sich damit beschäftigen. Doch wie so schnell Reichweite und Aufmerksamkeit gewinnen? Manch einer entscheidet sich nun für den (vermeintlich) leichten Weg, der auf den ersten Blick verführerisch erscheint:

Black Hat Social Media

Man bezahlt möglichst viele User, die den Beitrag aufrufen, liken, sharen, retweeten oder kommentieren und schon steigt die eigene Popularität im Netz – so zumindest die Theorie, der auch als „Black Hat Social Media“ bekannten Maßnahme. Doch Vorsicht: in der Praxis kann sich diese Vorgehensweise als ziemlich schädlich erweisen.

Was genau ist „Black Hat Social Media“?

Wie der Name „Black Hat“ es bereits verrät, verstecken sich dahinter Techniken, die gegen vorhandene Richtlinien verstoßen, um sich in den Sozialen Medien auf „künstlichem Wege“ besser zu platzieren. Der schwarze Hut steht in amerikanischen Western Filmen für die „Bad Guys“, denn die Guten tragen ausschließlich weiße Hüte.
Der Begriff  wurde zuerst im Bereich der Suchmaschinenoptimierung verwendet, entsprechend steht „White Hat SEO“ hier für faires Verhalten.

Beispiele für „Bad Guy“-Taktiken

  • Erstellen gefakter Mediaprofile oder Bezahlung anderer Nutzer, um Beiträge zu liken, sharen, retweeten oder zu kommentieren
  • Engagieren von „Klickfarmen“ um die Anzahl der Liker und Follower zu vervielfältigen. Die meist in Indien oder Asien ansässigen Anbieter versprechen mit günstigen Angeboten virtuelle Freunde auf Knopfdruck 
  • Die Gründung von Gruppen und Seiten, um Anti-Kampagnen gegen die Konkurrenz aufzusetzen oder sogar Shitstorms anzuzetteln
  • Sicherung von Konkurrenznamen auf Socialmedia-Plattformen, um sie für eigene Zwecke zu missbrauchen
  • Das Teilen böswilliger Hypertext-Links 
  • Negative Rezensionen auf den Seiten von Mitbewerbern oder positive Bewertungen auf der eigenen Website

Wie das Kaufen von Likes, Shares oder Followern ihrem Unternehmen schaden kann

Der größte Nachteil, der einem Unternehmen aus diesem Verhalten erwachsen kann, ist ein negativer SEO-Effekt – insbesondere im Google-Ranking. Auch wenn die User-Aktivitäten in den sozialen Netzwerken nicht direkt von Googles Algorithmen erfasst werden, so ist ein schnelles und künstliches Aufwerten von Inhalten durch gekaufte Follower, Likes und Shares schnell zu erkennen, vor allem wenn es öffentliche Profile und Interaktionen sind, die von Google gecrawlt werden können. Speziell bei Online-Bewertungen wird die Echtheit der Angaben sehr genau vom Internetgiganten analysiert, schließlich haben Studien ergeben, dass 88 % der Verbraucher die Qualität eines Anbieters anhand von Rezensionen einschätzen.

Vom schwarzen und weißen zum alten Hut: Fazit

Social-Media-Marketing ist kein Western-Film, denn neben schwarzen und weißen Farben gibt es auch eine breit gefächerte Grauzone, in die jeder Nutzer – meist sogar unabsichtlich – schnell mal abdriften kann. Dennoch sollte man sich klarmachen, dass eindeutig regelwidrige Verhaltensweisen wie Nutzung von Clickfarmen mit unterbezahlten Menschen in Entwicklungsländern oder massenhaft gekaufte Rezensionen niemals eine nachhaltige Social-Media-Strategie ersetzen können.

Im Gegenteil: Mit solchen Maßnahmen setzt man seinen guten Ruf aufs Spiel. Erfolgreiche Marken kreieren eine echte und lebendige Community, in der ein reger Austausch stattfindet. Ist eine virtuelle Gemeinschaft aber nicht „organisch“ gewachsen, sondern künstlich kreiert, geht die Strategie komplett ins Leere.

Das rächt sich zuerst im Ranking und nicht zuletzt bei der Nutzerbewertung, denn „Fake-Fangemeinden“ fliegen schnell auf. Ein Image-Verlust in punkto Authentizität bis hin zum Shitstorm von verärgerten Nutzern kann die Folge sein.

Eine gute Social-Media-Strategie steht für den Aufbau einer aktiven Community. Richtig gepflegt, kann sie auch zu einer echten Ressource für nachhaltigen Geschäftserfolg werden. Schließlich erfährt man nur im direkten Kontakt mit der eigenen Kundschaft ihre Bedürfnisse und erhält wichtige Informationen wie den Einblick in Wohn- und Lebensverhältnisse oder Interessen. Für eine effektive Social-Media-Strategie wird der „Black Hat“ damit endgültig zum alten Hut.