Google Buy-Button – Werden Retailer zum Zwischenhändler degradiert?

Einige Onlinehändler bangen um ihr Geschäft, denn das neueste geplante Feature aus dem Hause Google könnte das moderne Online-Shopping revolutionieren. So sollen künftig Produkte mit einem Klick direkt über die Google Suche gekauft werden können, ohne den Zwischenschritt über den eigentlichen Händler gehen zu müssen. Nun stellt sich die Frage: „Auf wessen Kosten?“

Google Buy-Button

Mit der Entscheidung, Google zur E-Commerce Plattform auszubauen, gehen massive Änderungen im Hinblick auf den gesamten Onlinehandel einher. Ende Mai 2015 hat der Großkonzern nun öffentlich bestätigt, genau dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen. Dabei wird sich das Suchmaschinenunternehmen in der Beta Phase des Projekts „Buy-Button“ vorerst auf den US Markt beschränken, doch zeigt die Erfahrung, dass positive Testergebnisse auch zu einem globalen Roll-Out führen. Desweiteren wird Google den Buy-Button vorerst lediglich innerhalb der bezahlten mobilen Suche implementieren. Hintergrund: Mobilen Nutzern soll die Durchführung einer Transaktion, also eines Kaufs, einfacher gemacht werden. Da der mobile Traffic ja nicht unerheblich ist – denn dieser übersteigt bereits in 10 Ländern den Desktop Traffic – lässt sich der potentielle Erfolg recht gut bemessen.

Wie funktioniert der Buy-Button?

Bislang diente Google sowohl als Suchmaschine als auch Vermarktungsplattform. So gibt es etliche bezahlte Anzeigenplätze (s. Abbildung unten), über die Händler, Dienstleister etc. ausfindig gemacht werden können, um anschließend über den jeweiligen Shop Käufe zu tätigen. Der Buy-Button wird Google nun auf eine ganz neue Ebene katapultieren, und zwar auf die des E-Commerce. Derzeit gibt es nur ein paar sporadische Vermutungen über das Design und die Technik hinter dem neuen Feature. Doch prinzipiell wird wohl innerhalb der bezahlten Suchanzeigen ein „Buy-Button“ implementiert, über den Interessenten direkt aus der Suche heraus Käufe tätigen können, ohne dabei den Zwischenschritt über die Händlerseite gehen zu müssen. Laut onlinemarketing.de soll ein Klick auf diesen Buy-Button zu einer eigens von Google eingerichteten Landingpage führen, auf der der Kauf umgehend getätigt werden kann. Anschließend leitet Google die Bestellungen an die jeweiligen Unternehmen, die sich um die weitere Kaufabwicklung kümmern.

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Gewinner und Verlierer in Sachen Buy-Button

Diese Neuerung lässt ahnen, welche langfristigen Ziele Google verfolgt. Denn der Ausbau des Shopping Angebotes über besagten Button wird längst noch nicht das Ende sein. So versucht der Internetriese über kurz oder lang immer mehr Onlinegeschäfte, wie beispielsweise Essens- oder Taxibestellungen etc., direkt innerhalb seines eigenen Umfeldes, dem Google Netzwerk, abzuwickeln. Wir Nutzer profitieren natürlich durch eine schnellere Auffindbarkeit gewünschter Informationen bzw. in diesem Fall von Produkten und einem voraussichtlich noch einfacheren Kaufprozess. Doch wie sieht es auf Händlerseite aus?

Wo wir Nutzer unsere Vorteile erlangen, werden die Anbieter mit Einbußen in Bezug auf den Umsatz und den Traffic in ihrem Shop und somit weniger auswertbaren Daten kämpfen müssen. Warum das? Bisher kommunizierte Google zwar, dass für das Schalten der neuen Produktanzeigen mit Buy-Button – anders als bei der vergleichbaren Konkurrenz wie eBay und Amazon – keine Pauschale anfallen soll, doch gehen dem Onlinehandel im Gegenzug eine Menge überlebenswichtiger Daten verloren, da der Suchmaschinen-Konzern diese in seinem Einzugsbereich behält. Zwar räumte Google ein, den Händlern, die ja zugleich auch wichtige Kunden sind, diese Daten auf Zustimmung der Kunden/Käufer zu übermitteln, doch voraussichtlich bleiben bei diesem Verfahren einige Datenpunkte auf der Strecke. Außerdem wird es nicht möglich sein, das gesamte Produktangebot eines Online Shops für dieses optimierte Shopping-System bereit zu stellen, sondern nur einen Ausschnitt mit ähnlichen Produkten desselben Shops. Dadurch werden beispielsweise Gelegenheitskäufe, die zumeist beim Durchstöbern eines Shops getätigt werden, stark eingeschränkt. Alleine schon durch diese Limitierung wird es vermutlich zu spürbaren Umsatzeinbußen auf Seiten der Händler kommen.

Fazit zur geplanten Google Innovation Buy-Button

Google integriert sich fortlaufend und mit stetigem Nachdruck in unseren Alltag. Die ständige Optimierung des Netzwerkes führt zu einem kontinuierlichen Anstieg einer positiven Nutzererfahrung, jedoch oft genug auf Kosten vieler Händler, Dienstleister oder Informationsbereitsteller. Gerade der Buy-Button bietet großes Potenzial im Hinblick auf die Nutzererfahrung, sollte auf der anderen Seite im Gesamtzusammenhang des Onlinehandels aber auch aufmerksam bis kritisch betrachtet werden. Wir als Vermarkter werden uns bald auch auf diese technische Neuerung einstellen müssen und erwarten solange gespannt die Ergebnisse aus dem US amerikanischen Markt.

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Über Julius Huber

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